Fetale Therapie und Chirurgie
Gesundheitliche Schäden erkennen und behandeln
Moderne Verfahren und technologischer Fortschritt ermöglichen es uns heutzutage, Fehlbildungen und Erkrankungen beim Fetus schon im Mutterleib zu diagnostizieren und zu therapieren. Damit verhindern wir bisweilen schwere Behinderungen und retten sogar Leben.
Fetale Therapie
Die fetale Therapie beinhaltet sämtliche Maßnahmen, die ergriffen werden können, um einem Fetus das Überleben im Mutterleib zu ermöglichen. Hierzu gehört die fetale Chirurgie ebenso wie die fetale Transfusion, d. h. eine kindliche Blutübertragung. Letztere kommt beispielsweise bei Unverträglichkeiten der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) oder der Blutplättchen (Thrombozyten) zwischen Mutter und Kind (z. B. bei Rh-Konflikt, Alloimmun-Thrombozytopenie) zum Einsatz. Bei krankhaften Ansammlungen von Flüssigkeiten in beispielsweise Blase, Niere oder Brustkorb können wir den Fetus auch durch Punktion und Drainage behandeln.
Fetale Chirurgie
Die fetale Chirurgie, die heute bei fetalen Erkrankungen wie Spina bifida (offener Rücken) oder Zwerchfellhernie durchgeführt wird, ist als experimentelle Therapie einzustufen. Mit einer Reihe von medizinischen Verfahren, wie der Radiofrequenzablation, werden bereits im Mutterleib unter anderem Tumore zerstört oder deren Wachstum gestoppt. Im Bereich der fetalen Chirurgie und Lasertherapie – etwa bei einem fetofetalen Transfusionssyndrom (FFTS) – arbeiten wir eng mit Medizinerinnen und Medizinern aus nationalen und internationalen Fetalchirurgischen Zentren zusammen.
Unsere Partner bei der fetalen Therapie und Chirurgie
- Prof. Dr. med. Nicole Ochsenbein-Kölble (Direktorin Klinik für Geburtshilfe, Universitätsspital Zürich)
- Prof. Dr. Christoph Berg (Leiter Fetalchirurgie, Uniklinik Köln, Pränatalmedizin)
- Prof. Dr. med. Christian Bamberg (Klinik für Geburtsmedizin, Charité Universitätsmedizin Berlin)
- Prof. Dr. med. Brigitte Strizek (Geburtshilfe und Pränatalmedizin, Universitätsklinikum Bonn)
FAQ
Bei den fetalen Therapieformen unterscheidet man grundlegend zwischen invasiven und nicht-invasiven Therapien. Zu letzteren gehört vor allem die Gabe von Medikamenten entweder direkt an den Fetus oder über die Mutter. Erfolgt die Medikamentengabe direkt an den Fetus, wird dafür in der Regel die Nabelschnur punktiert. Seltener zum Einsatz kommen invasive Maßnahmen wie eine Lasertherapie bei Zwillingstransfusionssyndrom (TTTS), die Ableitung von Flüssigkeiten aus Körperhöhlen des Fetus (Shunt-Anlagen) oder das Abpunktieren überschüssiger Flüssigkeiten (Punktionstherapie). Auch chirurgische Eingriffe am ungeborenen Kind sind möglich, wenn auch selten, da sie hochkomplex sind und einen hohen Spezialisierungsgrad des Behandlers erfordern. In unserem Zentrum für Pränatalmedizin beraten wir Sie hierfür fachkundig und umfassend.
Je nach medizinischer Fragestellung und Art des angewendeten Verfahrens erfolgen fetale Eingriffe idealerweise zwischen der 16. und 26. Schwangerschaftswoche. Ab der 16. SSW sind die Strukturen des Kindes weit genug ausgebildet und die Plazenta arbeitet stabil, was das Risiko für Komplikationen verringert. Fetale Eingriffe nach der 26. SSW sind eher seltener, da hier eine frühzeitige Entbindung mit anschließender Behandlung oft sicherer ist als eine Operation im Mutterleib. In einem persönlichen Gespräch beraten wir Sie umfassend zu allen Möglichkeiten einer fetalen Therapie und ziehen, wo benötigt, auch die Expertise unserer Partner aus angrenzenden Fachbereichen hinzu.
Je nach angewendeter Methode und Erkrankung des Ungeborenen variieren auch die Erfolgsaussichten einer fetalen Therapie. Fetale Transfusionen, d. h. die Blutübertragung an das Baby im Bauch, haben beispielsweise sehr gute Erfolgsaussichten. In erfahrenen Händen liegt die kindliche Überlebensrate hier bei 95 %. Generell hängt der Behandlungserfolg auch stark vom Zeitpunkt der Diagnose und der Erfahrung des medizinischen Teams ab. In unserer Praxis verfügen wir über eine hohe Expertise z. B. auf dem Gebiet der fetalen intrauterinen Transfusion und können Ihnen so eine bestmögliche Behandlung bieten.